Die Geschichte vom Völsi - Völsa þáttr

Der König bekehrt unwissende Leute im Norden

König Olaf [1] erfuhr da wiederum, daß das Land weit umher noch wenig christiansiert war. Er trachtete aber sehr danach, das Volk in seinem gesamten Reich, sowohl auf Inseln als auch auf Landspitzen, zum katholischen Glauben zu bekehren. Laut dem, was in einem alten Gedicht ausgesagt wird, lebten ein Bauer und seine etwas ältere Frau auf einer Landspitze im Norden Norwegens. Dort gab es, ein Stück weit von den dichter besiedelten Gebieten und dem dem Hauptweg entfernt, einen guten Hafen für Langschiffe. Der Bauer und seine Frau hatten zwei Kinder: Einen Sohn und eine Tochter, so wie es am Beginn des Gedichtes, der wie folgt lautet, ausgesagt wird:

Ein Mann hat mit einer älteren Frau
auf irgendeiner Landspitze gelebt.
Der Mann hatte einen Sohn mit der Göttin des Goldes (der Frau),
und eine sehr verständige Tochter.

Es gab dort auch einen Knecht und eine Magd. Der Bauer war ein kluger Mann und kümmerte sich wenig um fremde Angelegenheiten. Die Alte aber war sehr herrschsüchtig und bestimmte über alle täglichen Angelegenheiten des Haushalts. Der Sohn des Bauern war vergnügt, fröhlich, ausgelassen und frech. Die Tochter des Bauern war älter, von schneller Auffassungsgabe und von kluger Art, obwohl sie nicht in der Nähe vieler Menschen aufgewachsen war. Der Bauer hatte einen großen Jagdhund, der Lerir [2] hieß. Sie hatten keinerlei Kenntnis vom heiligen Glauben. Gegen Ende eines Herbstes geschah es, daß das Zugpferd des Mannes starb. Das war sehr fett, und da heidnische Menschen Pferdefleisch als Nahrung verwendeten, wurde das Pferd zubereitet und verzehrt. Zu Beginn, als das Fell abgezogen wurde, schnitt der Knecht dem Pferd nur den Körperteil ab, den diese Art von Tieren gemäß ihrer Beschaffenheit zur Fortpflanzung benutzt, so wie andere Tiere, die sich untereinander vermehren. Wie die alten Dichter zeigen, heißt dieses Teil bei Pferden Vingul [3]. Als der Knecht diesen abgeschnitten hatte und ihn neben sich auf den Boden werfen wollte, lief der Sohn des Bauern lachend hinzu, ergriff das Teil und ging damit in die Stube hinein. Dort waren seine Mutter, deren Tochter und die Magd. Er schüttelte den Vingul unter vielen Spöttereien in ihre Richtung und sprach eine Strophe:

Hier könnt ihr den ziemlich tapferen Vingul
vom Vater des Pferdes abgeschnitten sehen.
Für dich, Magd, ist dieser Völsi [4]
ganz lebendig zwischen den Schenkeln.

Die Magd brach in schallendes Gelächter aus, aber die Tochter des Bauern forderte ihn auf, dieses widerliche Ding hinauszutragen. Die Alte stand auf, ging auf die andere Seite, nahm es ihm ab, und sagte, daß sie weder dieses noch anderes ungenutzt lassen würden, das noch zu etwas gut sein könne. Sie ging nach vorne und trocknete den Vingul so sorgfältig wie möglich, wickelte ihn in ein Leintuch und legte Lauch und andere Kräuter dazu, so daß er nicht verrotten konnte, und legte ihn in ihre Truhe. Der Herbst verging nun auf die Art, daß die Alte ihn jeden Abend unter irgendeinem Spruch zu seiner Verehrung hochhob. Es kam so weit, daß sie ihm ihren gesamten Glauben zuwendete, ihn für ihren Gott hielt und ihren Mann, die Kinder und das ganze Hausvolk mit in diesen Irrglauben hineinzog. Durch die Kraft des Teufels wuchs er und wurde gestärkt, so daß er bei der Frau steif werden konnte, wenn sie es wollte. Nachdem dies geschehen war, begann die Alte den Brauch, daß sie ihn jeden Abend in die Stube trug und über ihm eine Strophe sprach. Als erstes gab sie ihn dann dem Bauern und danach jedem der anderen, bis er am Schluß zur Magd kam, und jeder sollte über ihn eine Strophe sprechen. Es ergab sich aus den Äußerungen eines jeden, wie er darüber dachte.

 

König Olaf trifft die Leute auf der Landspitze

Eines Tages, bevor König Olaf vor König Knut aus dem Land fliehen mußte, geschah es, daß er mit seinen Schiffen nach Norden am Land entlang fuhr. Er hatte von dieser Landspitze und dem Unglauben, der dort herrschte, erfahren. Da er dort wie andernorts das Volk zum rechten Glauben bekehren wollte, sagte er seinen Lotsen, daß sie die Wegrichtung ändern und in den Hafen unterhalb der zuvor erwähnten Landspitze fahren sollten, da der Wind günstig stand. Sie kamen spät am Abend in diesen Hafen und der König ließ Zelte auf den Schiffen errichten. Er sagte seinen Leuten, daß sie die Nacht über auf den Schiffen bleiben sollten, während er zu dem Hof gehen wollte. Er bat Finn Arnason und Thormod Kolbrunarskald mit ihm ihm zu kommen. Sie nahmen sich alle graue Kapuzenmäntel und zogen sie über ihre Kleidung, und so gingen sie in der Abenddämmerung zu dem Hof. Sie begaben sich in die Stube und setzen sich auf die äußere Bank. Sie setzten sich so, daß Finn am weitesten drinnen saß, in der Mitte Thormod und ganz außen der König. Dort warteten sie, bis es dunkel geworden war, ohne daß ein Mensch hereingekommen wäre. Dann brachte eine Frau Licht herein, und das war die Tochter des Bauern. Sie grüßte die Männer und fragte nach ihren Namen, aber sie nannten sich alle Grim. Daraufhin zündete sie in der Stube Licht an. Sie schaute immmerzu auf die Gäste und blickte am längsten auf den, der am weitesten draußen saß. Als sie gerade nach vorne gehen wollte, kam ihre eine Strophe in den Mund und sie sprach das Folgende:

Ich sehe Goldringe an den Gästen und kostbare Mäntel.
Mir gefallen die Ringe.
Lieber will ich Kostbarkeiten, als zu lügen;
ich erkenne dich, mein König; du bist gekommen, Olaf.

Darauf antwortete der Neuankömmling, der am weitesten draußen saß: "Schweige still darüber, denn du bist eine kluge Frau." Sie wechselten keine weiteren Worte. Die Tochter des Bauern ging nach vorne, und wenig später kamen der Bauer, sein Sohn und der Knecht herein. Der Bauer setzte sich in den Hochsitz, der Sohn neben ihn und der Knecht ein Stück weit von ihm entfernt. Sie amüsierten sich über das Schweigen der Gäste. Dann wurde die Mahlzeit vorbereitet, Tische aufgestellt und das Essen darauf gestellt. Die Tochter des Bauern setzte sich zu ihrem Bruder und die Magd zu dem Knecht. Die Grime saßen alle noch immer wie zuvor erzählt wurde. Als letztes kam die Alte herein. Sie trug Völsi in den Armen und ging vor den Hochsitz des Bauern. Es ist nicht bekannt, daß sie die Gäste gegrüßt hätte. Sie wickelte Völsi aus den Tüchern, legte ihn dem Bauern auf den Schoß und sprach diese Strophe:

Vergrößert bist du, Völsi, und hochgehoben,
mit Leinen gestärkt, mit Lauch gestützt.
Nehme Maurnir [5] dieses Opfer an.
Aber du selbst, Bauer, nimm Völsi zu dir.

Der Bauer zeigte sich wenig interessiert, sprach aber dennoch eine Strophe:

Es würde nicht, wenn ich darüber bestimmte,
dieses Opfer heute Abend herumgetragen werden.
Nehme Maurnir dieses Opfer an.
Aber du, Sohn des Bauern, schau du auf Völsi.

Der Sohn des Bauern griff nach ihm, hob ihn hoch, hielt ihn in Richtung seiner Schwester und sprach diese Strophe:

Tragt den Stößel zu den Brautjungfern.
Sie sollen den Vingul heute Abend naß machen.
Nehme Maurnir dieses Opfer an.
Aber du, Tochter des Bauern, nimm Völsi zu dir.

Sie wollte eher wenig damit zu tun haben, aber mußte doch dem Brauch des Haushalts folgen. Sie faßte ihn ziemlich vorsichtig an und sprach diese Strophe:

Das schwöre ich bei Gefion und bei allen anderen Göttern,
daß ich gezwungenermaßen den roten Schwanz [6] anfasse.
Nehme Maurnir dieses Opfer an.
Aber Knecht des Hauses, ergreife du Völsi.

Der Knecht nahm ihn und sprach:

Ein ganzer, dicker, großer Laib Brot wäre mir an Werktagen viel lieber als dieser Völsi.
Nehme Maurnir dieses Opfer an.
Aber du, Magd des Hauses,
drück du Völsi an dich.

Die Magd nahm ihn sehr liebevoll entgegen, zog ihn zu sich, streichelte ihn und sprach diese Strophe:

Sicherlich könnte ich mich nicht davon zurückhalten,
ihn in mich zu stecken, wenn wir alleine in Wollust da lägen.
Nehme Maurnir dieses Opfer an.
Aber du, Grim, unser Gast, ergreif du Völsi.

Finn nahm ihn und hielt ihn fest. Dann sprach er diese Strophe:

Ich bin oft mit dem Schiff vor Landspitzen gelegen
und habe mit flinken Händen das Segel hochgezogen.
Nehme Maurnir dieses Opfer an.
Aber du, Grim, mein Gefährte, ergreif du Völsi.

Dann gab er ihn Thormod. Er nahm ihn an und betrachtete sich sehr sorgfältig, wie Völsi beschaffen war. Dann lächelte er und sprach diese Strophe:

Ich sah nie zuvor, obwohl ich weit gefahren bin,
wie ein Pimmel mit zurückgezogener Vorhaut an den Bänken herumgereicht wurde.
Nehme Maurnir dieses Opfer an.
Aber du, Hauptgrim, nimm du Völsi.

Der König nahm ihn an und sprach diese Strophe:

Ich bin der Steuermann gewesen ,
ganz vorne und Anführer aller Menschen.
Nehme Maurnir dieses Opfer an.
Aber du, Hund des Hauses, kümmere dich um das Ungetüm.

Dann warf er ihn auf den Fußboden hinunter und sofort schnappte der Hund danach. Als die Alte das sah, bebte sie am ganzen Leib. Es ging ihr sehr nahe, und sie sprach diese Strophe:

Was ist das für ein mir unbekannter Mann,
der dem Hund das heilige Opfer gibt?
Man hebe mich über den Türstock und auf den Türbalken,
damit ich weiß, ob ich das heilige Opfer retten kann.
Leg es nieder, Lerir, aber laß es mich nicht sehen,
und verschling es nicht, du feige, elende Hündin.

Dann warf der König seine Verkleidung ab und wurde daraufhin erkannt. Er verkündete ihnen dann den christlichen Glauben. Die Alte war dem Glauben gegenüber widerstrebend, aber der Bauer ihm etwas schneller zugeneigt. Aber durch Gottes Kraft und Olafs Eifer geschah es am Schluß so, daß alle den Glauben annahmen und von dem Kaplan aus dem Gefolge des Königs getauft wurden. Sie blieben dem Glauben treu, nachdem sie gelernt hatten, an wen sie glauben sollten und ihren Schöpfer erkannten. Sie sahen nun ein, wie schlimm und unmenschlich und ungleich allen anderen guten Menschen sie gelebt hatten. An solchen Dingen kann man sehen, daß König Olaf sehr darum bemüht war, alle Unsitte, Heidentum und Hexerei zu vernichten und auszulöschen, genauso in den entlegensten Wäldern des norwegischen Reiches wie in den Gebieten im Hauptteil des Landes. Er strebte am meisten danach, so viele wie möglich zum rechten Glauben zu bewegen. Es ist jetzt auch offensichtlich geworden, daß er dies und alles andere so getan hat, daß es Gott gefallen hat.

 


[1] Olaf Haraldsson der Heilige, König von Norwegen 1016-1028. Er mußte 1028 vor dem Dänenkönig Knut nach Rußland fliehen und fiel 1030 in der Schlacht von Stiklastaðir, als er versuchte, sein Reich zurückzugewinnen. Schon bald nach seinem Tod wurde er als Heiliger verehrt.

[2] Heizmann sieht in Lærir einen sprechenden Namen, den er von aisl. læra "Schenkel" ableitet.

[3] Laut DeVries bedeutet nisl. vingull "gedrehtes Tau"; als Bezeichnung für einen Pferdepenis ist es aber nur hier belegt.

[4] Laut DeVries bedeutet völsi eigentlich "Walze" und ist etymologisch mit völr "runder Stab" verwandt. In der Völsunga saga heißt der Sohn König Rerirs, der durch einen von Odin gesandten Apfel gezeugt wurde, Völsungr. Nach ihm ist das Geschlecht der Völsungen benannt. Ob ein Zusammenhang zu Völsi besteht, ist ungeklärt.

[5] Maurnir wird meist als mörnir gelesen, obwohl au in der Flateyjarbók immer für den Diphthong au, nicht für ö oder o steht. Fem. sg. mörn bezeichnet eine Riesin, mörnir wäre also mit Riesenfrauen zu übersetzen. Mörnir als mask.sg. ist aber auch ein Schwertname, der hier dann wohl im Sinne von "Phallus" verwendet wäre.

[6] Die Etymologie des hier verwendeten Wortes nosi ist unklar; Heizmann gibt als Bedeutung "Rüssel" an.

[7] Arme der Berge: Flüsse; Bett der Flüsse: Gold; Forderer des Goldes: Krieger.



Überlieferung und Forschungsmeinung

Der Völsa þáttr ist in der Flateyjarbók (Sammelhandschrift, entstanden auf Island, ca. 1387-95) als Teil der Saga von Olaf dem Heiligen enthalten.
Die Strophen sind überwiegend im Versmaß fornyrðislag verfaßt, in dem auch zahlreiche Eddalieder gedichtet sind.

Einen Überblick über die Forschung zum Völsa þáttr bietet Wilhelm Heizmann in seinem Artikel "Völsi" im Reallexikon der germanischen Altertumskunde (2. Auflage). Heizmann sieht als mögliche Belege für Spuren eines in die heidnische Zeit zurückreichenden privaten Kultes u.a. die Runeninschriften von Fløksand und Gjersvik, in denen ebenfalls die Wörter "Lein" und "Lauch" in Kombination auftreten.

Gro Steinsland und Kari Vogt zufolge herrscht in der Forschung Einigkeit darüber, daß der Kern des Völsa þáttr, nämlich die rituelle Handlung und die refrainartig wiederholte Formel "nehme Maurnir dieses Opfer an", alte Fruchtbarkeitsriten spiegelt, während die Erzählung selbst in ihrer überlieferten Form erst spät entstanden ist. Der þáttr sei eine "einzigartige Dokumentation eines Privatkultes". Steinsland und Vogt weisen auf die Einteilung der handelnden Personen in drei Gruppen hin: Frau des Bauern, Tochter, Magd; Bauer, Sohn, Knecht; die drei Gäste. Als Hintergrund der Szene, in der der Pferdepenis von den Männern abgeschnitten wird und die Frauen sich alle im Haus befinden, vermuten sie eine Kulthandlung. Das Pferd sei nicht zufällig gestorben, sondern von den Männern rituell getötet worden. Die passive Rolle der Männer im Gegensatz zur aktiven der Frauen beim Herumreichen des Völsi sei keine Erfindung des Schreibers, sondern gehöre zur alten Tradition. Da Grim ("der Maskierte") ein Odinsname ist, sehen Steinsland und Vogt im Völsa þáttr sogar ein Zeugnis für "den alten Gegensatz zwischen Fruchtbarkeitskult und Odinskult" , wie er sich auch im Mythos vom Krieg zwischen Vanen und Asen spiegele. "Die Absicht des Schreibers ist es, eine Konfrontation zwischen der neuen Religion und der alten, Christentum und Heidentum, darzustellen. Als Mittel dazu benutzt er einen alten, nordischen Kultgegensatz, nämlich den zwischen Fruchtbarkeitsreligion und Odinsreligion."
Steinsland und Vogt halten mörnir für fem.pl. "Riesenfrauen", das Wort bezeichne ein weibliches Kollektiv, dem der Völsi zur Durchführung einer heiligen Hochzeit übergeben werde. Darauf deute auch der Ausdruck "Brautjungfern" in der vom Sohn gesprochenen Strophe hin. Da fem.sg. mörn als Bezeichnung für die Riesin Skadi verwendet werde, könne der Völsa þáttr einen Zusammenhang mit einem Skadikult haben.
Die von der Tochter angerufene Göttin Gefjon stehe in der Überlieferung stehts auf Odins Seite; somit sei ihre Nennung hier als Vertreterin eines anderen als des gerade praktizierten Kultes nur logisch.
Da Völsi sich von völr "Stab" ableite, sei er möglicherweise das "kultische Gegenstück" zu den meist von Seherinnen vewendeten Stäben; auch die letzte von der Frau gesprochene Strophe weise auf eine mögliche Rolle als Seherin hin.

Britt-Mari Näsström schließt sich im wesentlichen Steinsland und Vogt an. Sie meint, der Völsa þáttr füge sich ebenso wie die in Heimskringla erzählte Geschichte von den Pferdeopfern in Hlaðir in "das Muster, das sich in den uralten indoeuropäischen Opferbräuchen zeigt" . Nicht die Prosa, wohl aber das Gedicht habe seinen Ursprung in der "vorchristlichen Vorstellungswelt" . Das Hochheben der Frau über den Türstock sei ein "übersinnliches Schauen", das mit dem der Sklavin in Ibn Fadlans Reisebericht und der Schilderung der Njáls saga rund um die Darraðarljóð (aus der Njáls saga) übereinstimme. Auch die Kombination von lin ok lauk deute auf eine alte Ritualformel. Näsström sieht als Hintergrund des Völsa þáttr "ein rituelles Pferdeopfer, das zu einem bestimmten Zeitpunkt im Herbst geschah". Sie hält es für möglich, daß es sich um ein Opfer für Freyr bzw. die Alben und somit um einen Fruchtbarkeitsritus handelt. "Der Gott wird durch das Opfer repräsentiert und es wird eine erotische Beziehung zwischen diesem und den Opferteilnehmern angedeutet". Ebenso wie um ein Opfer handele es sich um einen hieros gamos (heilige Hochzeit) zwischen dem Gott und den anwesenden Frauen, weshalb die Männer eher weniger interessiert seien.


Wilhelm Heizmann: Artikel "Völsi", in Reallexikon der germanischen Altertumskunde (2.Auflage), Bd.32, Berlin/New York 2006, 538-542

Gro Steinsland / Kari Vogt: Aukinn ertu Uolse ok vpp vm tekinn, Arkiv för Nordisk Filologi 1981, 87-105

Britt-Mari Näsström: Blot. Tro och offer i det förkristna Norden, Oslo 2001, 147

 

 

Daß Geschichten wie der Völsa þáttr im mittelalterlichen Island aber wohl eher zur Unterhaltung und Belustigung als aus übermäßigem Interesse an heidnischen Ritualen erzählt worden sind, zeigt ein Vergleich mit einer ganz ähnlichen Episode. Sie stammt aus der Gautreks saga. Auch sie handelt von einer seltsamen heidnischen Familie, die abseits von anderen Menschen wohnt; auch hier kommen eine kluge Tochter und ein König als unwillkommener Gast vor.

 

Die Geschichte von Gauti (Gauta þáttr; aus der Gautreks saga)

Hier beginnen wir eine lustige Geschichte über einen König, der Gauti hieß. Er war ein kluger Mann und sehr selbstbeherrscht, sanftmütig und nahm kein Blatt vor den Mund. Er herrschte über Västergötaland. Das liegt zwischen Norwegen und Schweden, östlich des Kjölgebirges, und der Götaälv ist die Grenze zwischen Oppland und Götaland. Dort gibt es große Wälder und die Gegend ist schlecht passierbar, wenn die Erde nicht gefroren ist.
Dieser König, den wir zuvor nannten, begab sich oft mit seinen Falken und Hunden in den Wald, weil er ein leidenschaftlicher Jäger war und ihm das sehr viel Vergnügen bereitete. Zu dieser Zeit gab es viele Ansiedlungen, die von großen Waldgebieten umgeben waren, weil viele Menschen die Wälder an Stellen rodeten, die fern von den großen Siedlungsgebieten lagen. Dort siedelten sich einige an, die die viel benutzten Wege wegen ihrer Verbrechen mieden. Andere flohen wegen ihrer besonderen Lebensweise oder irgendwelcher Ereignisse dorthin und meinten, dann weniger verspottet und verhöhnt zu werden, wenn sie fern vom Gelächter anderer Menschen wären. So verstrich ihr ganzes Leben, ohne daß sie andere Menschen trafen, als die, die bei ihnen wohnten. Viele hatten sich ihre Wohnsitze weit weg von den vielbenutzten Wegen gesucht, und deshalb kamen keine Menschen zu ihnen zu Besuch, außer daß es manchmal geschah, daß sich Leute im Wald verirrten und zu ihren Wohnstätten gestolpert kamen, obwohl sie lieber nie dorthin gelangt wären.
Dieser König Gauti, den wir zuvor erwähnten, hatte sich mit seinem Gefolge und seinen besten Jagdhunden in den Wald begeben, um Tiere zu jagen. Der König erblickte einen schönen Hirsch, und dieses Tier wollte er gern erlegen. Er hetzte seine Jagdhunde los und jagte dieses Tier mit großem Eifer den ganzen Tag über bis zur Nacht. Er war nun allein und so weit im Innern des Waldes, daß ihm klar war, daß er es wegen der Dunkelheit und des langen Weges, den er während des Tages zurückgelegt hatte, nicht schaffen würde, zu seinen Leuten zu gelangen. Dazu kam noch, daß er dieses Tier mit seinem Speer getroffen hatte und dieser in der Wunde feststeckte, und der König wollte den Hirsch auf keinen Fall entkommen lassen, falls er ihn erlangen könnte. Es wäre ihm als eine Schande erschienen, seine Waffe nicht zurückzubekommen. Er hatte die Verfolgung mit so großem Eifer betrieben, daß er er seine gesamte Kleidung bis auf die Unterwäsche von sich geworfen hatte. Er war barfuß, hatte keine Schuhe und seine Unterschenkel und Fußsohlen waren von Steinen und Zweigen zerkratzt. Er erlangte das Tier nicht und es wurde nun so finstere Nacht, daß er nie die Richtung wußte, in die er sich wendete. Er blieb nun stehen und lauschte, ob er etwas höre. Er war nur kurze Zeit gestanden, bis er Hundegebell hörte. Er ging in die Richtung, aus der er den Hund bellen hörte, weil ihm die Aussicht, Menschen zu treffen, dort am größten erschien.
Als nächstes sah der König ein kleines Gehöft. Er sah, daß ein Mann draußen stand und eine Holzaxt in der Hand hielt. Sobald dieser sah, daß der König auf den Hof zuging, lief er zu dem Hund, erschlug ihn und sprach: "Du wirst nicht noch einmal Fremden den Weg zu unserem Hof weisen. Ich sehe genau, daß dieser Mann von solcher Größe ist, daß er das ganze Eigentum des Bauern aufessen wird, wenn er ins Haus hineinkommt. Das soll aber nie geschehen, wenn es nach mir geht!" Der König hörte seine Worte und lächelte darüber. Er ließ sich durch den Kopf gehen, daß er wenig Lust hatte, draußen zu schlafen, aber die Aufnahme schien ihm nicht gewiß zu sein, wenn er darauf wartete, hineingebeten zu werden. Er ging dreist zur Tür. Der andere stellte sich vor die Tür und wollte ihn nicht hineinlassen. Der König ließ ihn ihren Kraftunterschied spüren, und der, der vor der Tür stand, wich zur Seite. Der König ging in die Stube. Dort waren vier Männer und vier Frauen. Der König wurde nicht gegrüßt, setzte sich aber dennoch nieder. Derjenige, der ihm am ehesten wie ein Bauer auszusehen schien, begann zu reden und sprach: "Warum hast du diesen Mann hier herein kommen lassen?" Der Knecht, der vor der Tür gestanden hatte, antwortete: "Dieser Mann war so stark, daß meine Kraft gegen ihn nicht ausreichte." "Und was hast du gemacht, als der Hund gebellt hat?" Der Knecht antwortete: "Ich erschlug den Hund, weil ich nicht wollte, daß er noch mehr solchen Rüpeln, wie mir dieser Mann einer zu sein scheint, den Weg zum Hof wies." Der Bauer sprach: "Du bist ein treuer Knecht und man kann dir keine Schuld zuweisen, auch wenn diese Ungeschicklichkeit passiert ist. Deine Umsicht ist schwer zu belohnen. Ich will dir morgen deinen Lohn geben und dann sollst du mit mir kommen."
Die Häuser dort waren gut eingerichtet und die Menschen schön und von normaler Körpergröße. Der König merkte, daß sie ihn fürchteten. Der Bauer ließ Tische aufstellen und es wurde Essen aufgetragen. Als der König sah, daß ihm kein Essen angeboten werden würde, schritt er zu dem Tisch beim Bauern, nahm sich Essen und verzehrte es dreist. Als der Bauer das sah, hörte er auf zu essen und zog sich seine Kapuze vor die Augen. Keiner von beiden sprach zu dem anderen. Als der König satt war, zog der Bauer seine Kapuze zurück und bat, den Tisch abzuräumen, denn nun würde kein Essen mehr aufzuheben sein. Dann gingen die Leute schlafen. Der König legte sich auch zum Schlafen hin, aber als er kurze Zeit gelegen war, kam eine Frau zu ihm und sprach: "Wäre es nicht ratsam, daß du von mir Hilfe annimmst?" Der König antwortet: "Das hier wendet sich zum Guten, wenn du mit mir reden willst, denn das ist ein langweiliger Haushalt." "Darüber brauchst du dich nicht wundern, denn wir haben nie zuvor in unserem Leben einen Gast gehabt. Und ich merke, daß du dem Bauern nicht willkommen bist." Der König sprach: "Ich könnte dem Bauern gut alle Ausgaben lohnen, die er für mich gehabt hat, wenn ich zu mir nach Hause komme." Sie antwortete: "Ich glaube, es wird mehr geschehen, als daß wir von dir Genugtuung für diesen Vorfall bekommen." Der König sprach: "Erzähl mir bitte, wie eure Leute heißen." Sie antwortete: "Mein Vater heißt Skafnartung. Er trägt diesen Namen deshalb, weil er so geizig mit seinen Vorräten ist, daß er es nicht anschauen kann, daß sich Essen noch irgendetwas anderes, das ihm gehört verringert. Meine Mutter heißt Tötra. Sie trägt diesen Namen deshalb, weil sie nie andere Kleidung anziehen will, als solche, die bereits zerschlissen und zerfetzt ist, und das hält sie für enorm umsichtig." Der König fragte: "Wie heißen deine Brüder?" Sie antwortete: Einer heißt Fjölmod, der zweite Imsigul und der dritte Gilling." Der König sprach: "Wie heißen du und deine Schwestern?" Sie antwortete: "Ich heiße Snotra. Diesen Namen trage ich, weil man mich für die klügste von uns allen hält. Meine Schwestern heißen Hjötra und Fjötra.[1] Hier in der Nähe unseres Hofes gibt es eine Felswand, die Gillingswand heißt. In ihr gibt es einen hohen Felsen, den wir Familienfelsen nennen. Er ist so hoch und ein so steiler Abhang darunter, daß das Lebewesen, das herunterspringt, nicht am Leben bleibt. Er heißt Familienfelsen, weil wir durch ihn unsere Familie verkleinern, wenn wir meinen, daß seltsame Dinge geschehen. Alle unsere Alten sterben dort ohne jede Krankheit und kommen dann zu Odin, und wir brauchen von unseren Alten keinerlei Unannehmlichkeiten oder Aufsässigkeit zu erdulden, weil diese Stätte des Glücks allen unseren Familienmitgliedern offengestanden ist. Wir müssen nicht weiterleben, wenn wir Besitz verlieren oder eine Hungersnot kommt oder wenn hier irgendetwas Schlimmes oder Ungewöhnliches passiert. Du sollst jetzt erfahren, daß mein Vater es für sehr seltsam hält, daß du zu unseren Häusern gekommen bist. Es wäre sehr ungewöhnlich, selbst wenn ein nicht vornehmer Mann hier Essen verzehrt hätte, aber das ist ein nicht zu übertreffendes Wunder, daß ein durchgefrorener König ohne Kleidung zu unserem Haus gekommen ist, denn für so etwas werden keine Beispiele zu finden sein. Deshalb haben mein Vater und meine Mutter vor, morgen das Erbe unter uns Geschwistern zu verteilen. Sie selbst und der Knecht mit ihnen wollen dann vom Familienfelsen springen und so nach Valhall kommen. Mein Vater will es dem Knecht nicht geringer lohnen, daß er dich von der Tür vertreiben wollte, als daß er nun das Glück mit ihm genieße. Er meint auch, sicher zu sein, daß Odin den Knecht nicht aufnehmen würde, wenn er nicht in seiner Begleitung wäre." Der König sprach: "Ich merke, daß du hier die Redegewandteste bist, und du sollst meine Gunst bekommen. Ich meine zu sehen, daß du eine Jungfrau bist. Du sollst heute Nacht bei mir schlafen." Sie bat den König, darüber zu bestimmen.
Am Morgen, als der König erwachte, sprach er: "Ich spreche dich darauf an, Skafnartung: Ich ging barfuß zu euerm Hof. Deshalb möchte ich jetzt von dir Schuhe bekommen." Er antwortete nichts, gab ihm aber Schuhe, doch zog die Schnürsenkel heraus. Da sprach der König:

Zwei Schuhe,
die mir Skafnartung gab:
Die Schnürsenkel zog er da heraus.
Von einem schlechten Mensch,
sage ich, kommen nie
makellose Geschenke.

Dann machte sich der König zum Aufbruch bereit und Snotra führte ihn hinaus auf den Weg. Der König sprach: "Ich möchte dich bitten, mit mir zu kommen, denn ich vermute, daß unsere Begegnung Folgen haben wird. Falls du einen Jungen gebierst, dann nenn ihn Gautrek, in Bezug auf meinen Namen und auf das Herumirren, durch das ich zu euerm Haus gekommen bin."[2] Sie antwortete: "Ich bin sicher, daß du damit recht hast, aber ich kann diesmal nicht mit dir kommen, weil heute das Erbe meines Vaters und meiner Mutter zwischen uns Geschwistern verteilt werden soll, da sie vorhaben, sich vom Familienfelsen zu stürzen." Der König sagte ihr lebewohl und bat sie, zu ihm zu kommen, wenn ihr der richtige Zeitpunkt dafür da zu sein schiene. Der König begab sich zurück zu seinen Männern und verhielt sich nun ruhig.

Nun ist davon zu erzählen, wie Snotra nach Hause kam. Ihr Vater saß über seinem Vermögen und sprach: "Bei uns sind unvorhergesehene Dinge geschehen, als dieser König in unseren Haushalt gekommen ist und viel von unserem Eigentum aufgegessen hat, noch dazu das, was wir am wenigsten entbehren konnten. Ich glaube nicht, daß wir in Anbetracht unserer Armut alle unsere Hausleute behalten können. Deshalb habe ich meinen gesamten Besitz zusammengetragen und will das Erbe zwischen euch, meinen Söhnen, verteilen. Ich aber will mit meiner Frau und dem Knecht nach Valhall. Ich kann dem Knecht seine Treue nicht besser entlohnen, als daß er mit mir kommen darf. Gilling und seine Schwester Snotra sollen meinen guten Ochsen bekommen. Fjölmod und seine Schwester Hjötra sollen meine Goldbarren bekommen. Imsigul und seine Schwester Fjötra sollen das gesamte Getreide und die Äcker bekommen. Aber ich bitte euch, meine Kinder, daß ihr eure Anzahl nicht vergrößert, so daß ihr deswegen mein Erbe nicht aufrechterhalten könnt." Und nachdem Skafnartung so gesprochen hatte, wie er wollte und es ihm gefiel, ging er und die anderen hinauf zur Gillingswand. Die Kinder begleiteten ihren Vater und ihre Mutter zum Familienfelsen, und sie begaben sich fröhlich und vergnügt zu Odin.
Als die Geschwister wieder auf dem Hof waren, meinten sie, für ihr Wohl sorgen zu müssen. Sie nahmen sich Holznadeln und befestigten damit groben Wollstoff an sich, so daß keiner von ihnen den anderen nackt berühren würde. Auf diese Art hielten sie es für am sichersten, daß sie sich nicht vermehren würden.
Snotra bemerkte, daß sie schwanger war. Sie lockerte da die Holznadel in dem Wollstoff, so daß man sie mit der Hand berühren konnte. Sie tat so, als ob sie schliefe. Als Gilling aufwachte und sich, noch schläfrig, streckte, kam er mit der Hand an ihre Wange. Als er aufgewacht war, sprach er: "Jetzt ist etwas Schlimmes passiert und ich werde dir Schaden zugefügt haben. Mir scheint, daß du viel dicker bist, als du zuvor gewesen bist." Sie antwortete: "Verheimliche das, wenn du kannst." Er antwortete: "Ich werde nicht diese Schandtat begehen, denn das wird auf keine Weise zu verbergen sein, sobald sich unsere Anzahl erhöht."
Wenig später gebar Snotra einen schönen Jungen und gab ihm den Namen Gautrek. Gilling sprach: "Jetzt ist etwas völlig Unvorhergesehenes passiert und es kann nicht verheimlicht werden. Ich werde mich zu meinen Brüdern begeben und es ihnen erzählen." Sie sprachen: "Unsere ganze Lebenshaltung wird durch dieses seltsame Ereignis, das jetzt geschehen ist, zunichte werden. Das ist ein schlimmes Vergehen." Gilling sprach:

Dumm war es,
als ich die Hand ausstreckte,
als ich an ihre Wange kam.
Eine Kleinigkeit
ist der Ursprung von Menschensöhnen,
dadurch wurde Gautrek gezeugt.

Sie sagten, daß er nichts dafür könne, da er es bereue und nie gewollt hätte, daß es geschehen wäre. Er sagte, daß es weniger Ungewöhnliches gebe und er sich gerne vom Familienfelsen stürzen wolle. Sie baten ihn abzuwarten, was sonst noch geschehen werde.
Fjölmod paßte tagsüber auf sein Eigentum auf und nahm seine Goldbarren überall mit hin. Eines Tages schlief er ein und wachte in dem Moment auf, als zwei schwarze Schnecken auf seine Goldbarren gekrochen waren. Sie schienen ihm Gruben hinterlassen zu haben, da wo das Gold dunkler geworden war, und es schien ihm sehr viel weniger geworden zu sein. Er sprach: "Dieser Eigentumsverlust wird große Folgen haben. Wenn so etwas öfter geschieht, wird es schlimm werden, arm zu Odin zu kommen. Ich werde mich vom Familienfelsen stürzen und nicht noch öfter Vernichtung meines Besitzes erleben. Denn nie ist meine Lage so aussichtslos gewesen, seit mein Vater mir Eigentum zuteilte." Er berichtete seinen Brüdern von diesem unvorhergesehenen Ereignis, das geschehen war, und bat sie, sein Erbe unter sich aufzuteilen. Dann sprach er:

Kleine Schnecken
aßen mir die Steine weg.
Alles will uns jetzt hassen;
arm muß ich herumlungern,
weil Schnecken
mein Gold völlig zerkratzt haben.

Dann begaben er und seine Frau sich zur Gillingswand und stürzten sich vom Familienfelsen.
Eines Tages geschah es, daß Imsigul an seinen Äckern entlang ging. Da sah er vor sich einen Sperling. Das ist ein ziemlich kleiner Vogel. Ihm sah es so aus, als sei Schaden zu erwarten. Er ging am Acker entlang und sah, daß der Vogel ein Korn aus einer Ähre gepickt hatte. Da sprach er:

Das war ein Schaden
und ein Sperling verursachte ihn,
auf Imsiguls Acker.
Die Ähre wurde beschädigt
und ein Korn herausgepickt,
das wird Tötras Familie ewig betrüben.

Dann gingen er und seine Frau uns stürzten sich froh vom Familienfelsen, weil sie nicht öfter solchen Schaden erleiden wollten.
Als Gautrek einmal draußen war, sah er den guten Ochsen. Er war da sieben Jahre alt. Es kam dazu, daß er den Ochsen mit einem Speer tötete. Als Gilling das sah, sprach er:

Der junge Knabe
erschlug meinen Ochsen,
das ist ein todbringendes Ereignis.
Ich werde nie wieder besitzen
etwas ebenso Schönes,
auch wenn ich alt werde.

Er sprach: "So geht es nicht länger." Dann begab er sich zur Gillingwand und stürzte sich vom Familienfelsen.
Nun waren nur noch Snotra und ihr Sohn Gautrek übrig. Sie bereitete sich zusammen mit ihrem Sohn zum Aufbruch vor. Dann begaben sie sich zu König Gautrek und der nahm seinen Sohn gut bei sich auf. Er wurde dort im Gefolge seines Vaters großgezogen und erlangte sehr schnell die volle Manneskraft. So vergingen nun einige Jahre, bis Gautrek vollkommen erwachsen geworden war.
Dann geschah es, daß König Gauti krank wurde und seine Freunde zu sich rief. Der König sprach: "Ihr seid mir gegenüber in jeder Hinsicht gehorsam und nachsichtig gewesen. Aber jetzt sieht es mir so aus, als ob diese Krankheit, die ich habe, unsere Freundschaft beenden wird. Ich möchte das Reich, das ich hatte, meinem Sohn Gautrek geben, und den Königstitel dazu." Ihnen gefiel das gut, und nach König Gautis Tod wurde Gautrek zum König über ganz Götaland gemacht, und über ihn ist viel in alten Geschichten berichtet.

[1] Skafnartungr bedeutet "Rindennager"; Tötra ist von töturr "Lumpen" abgeleitet; Snotra bedeutet "die Kluge".

[2] Altisländisch rekstr heißt "Irrfahrt."




Eine preiswerte und verständlich geschriebene Einführung in die altnordische Literatur. Rudolf Simeks Lexikon der altnordischen Literatur ist ein wichtiges Hilfsmittel, vor allem beim Skandinavistikstudium. Es bietet neben Kurzinfos auch Angaben zu Handschriften, Editionen, Übersetzungen und der wichtigsten Forschungsliteratur.



Zurück zur Startseite von www.wikinger.org