Wikingerfest im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen,
19./20. September 2009
Zum jährlich im Herbst stattfindenden Wikingerfest hatte das Archäologische Freilichtmuseum in Oerlinghausen, in Nordrhein-Westfalen etwa auf halbem Weg zwischen Bielefeld und Detmold gelegen, geladen. Nach längerer Anreise per Bahn und Bus (was immerhin möglich ist), mussten wir zunächst ein erhöhtes Eintrittsgeld entrichten - es sei ja so viel geboten und überhaupt sei dies das einzige Museum in weitem Umkreis, in dem man an gewöhnlichen Tagen Studentenermäßigung (ganze 50 Cent!) bekomme, durften wir uns von einer nicht gerade gut gelaunten Kassiererin belehren lassen.
Nun gut, wir gingen also hinein und begannen unseren Rundgang bei einem mit Rentierhäuten bespannten Zelt aus der Altsteinzeit. In der Jungsteinzeit angelangt, eine große Enttäuschung: Den Eintritt in das imposante Langhaus verwehrte uns eine unfreundliche (mittelalterliche) Schaukampftruppe, die das Haus als Quartier benutzt hatte und um ihre Privatsphäre fürchtete. Also weiter in die römische Kaiserzeit, wo zumindest einige gut ausgestattete Ausstellungsräume zugänglich waren. Es folgten einige Verkaufsstände mit (teils) wikingerzeitlichem Schmuck, Wachstäfelchen und Honigkerzen. Die sonst auf Mittelaltermärkten allgegenwärtigen Esoterik- und Ramschbuden waren glücklicherweise nicht zugelassen worden.
Es folgte ein bronzezeitliches Langhaus, in dem gerade Essen gekocht und bereitwillig über die vielen, aus Wildsammlung stammenden Zutaten Auskunft erteilt wurde. Wir unterbrachen den Rundgang kurz, um einer Darbietung besagter Schaukampftruppe zuzusehen, die sich redlich Mühe gab, die zahlreichen anwesenden Kinder zu amüsieren. Vor der folgenden sächsischen Hofanlage mit Gruben- und Hallenhaus sowie Schmiede (die nicht in Betrieb war) wurden gerade Pfeile angefertigt und Garn gesponnen. Hier erhielten wir eine sehr informative und fachkundige Führung durch die Anlage, zu der wir leider etwas zu spät kamen, da uns niemand - weder die Angestellten im Kassenhaus und im Eingangsbereich noch die anwesenden Darsteller - sagen konnte, wo die Führung beginnen werde; genau genommen wussten sie nicht einmal, dass es eine solche geben sollte.
Mit diesem Höhepunkt des Tages war auch gleichzeitig dessen Ende erreicht - mehr wurde nicht geboten. Wo sich die versprochenen mehr als 100 Darsteller versteckt gehalten haben, ist uns bis heute nicht klar - zu sehen bekamen wir bestenfalls die Hälfte davon. Und warum das Ganze als Wikingerfest bezeichnet wurde, war auch nicht wirklich ersichtlich - vielleicht waren ja die Wikinger gerade alle damit beschäftigt, die Eintrittsgelder zu zählen? Zwar wurde an manchen Stellen Handwerk demonstriert, selbst etwas ausprobieren konnte man allerdings in den wenigsten Fällen.
Das Museum an sich kann guten Gewissens empfohlen werden, man sollte aber offensichtlich die Sonderveranstaltungen meiden und am besten im Frühjahr oder Sommer kommen, wenn auch die bei den Häusern angebauten Nutzpflanzen zu sehen sind, was im September nicht mehr der Fall ist. Für dieses "Wikingerfest" aber lässt sich festhalten: Inkompetenz und Unfreundlichkeit sowie Nichteinhaltung des Angekündigten sind denkbar schlechte Zutaten für eine gelungene Veranstaltung.