Das Ziel der von Kurt Schier im Diederichs-Verlag herausgegebenen Reihe „Saga-Bibliothek der altnordischen Literatur“ ist es, möglichst originalgetreue Übersetzungen altisländischer Sagas einem breiten Publikum zugänglich zu machen, ohne dabei auf Wissenschaftlichkeit zu verzichten. Die hier erschienen Bücher ersetzen also teils die wesentlich schlechteren „Thule“-Versionen von Anfang des 20. Jahrhunderts, die - abgesehen von ihrer unnötig geschwollenen Sprache - oft erheblich vom Originaltext abweichen; einige Sagas werden aber auch erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht.

Isländische Vorzeitsagas, Bd.1


Der Band „Isländischhe Vorzeitsagas 1“ enthält sechs von Ulrike Strerath-Stolz übersetzte Werke, die zu der Gruppe der als „fornaldarsögur“ bezeichneten Sagas gehören. Fornaldarsögur sind meist „unhistorische heroische Wikinger- und Abenteuerromane“ (Simek), die in der Zeit vor der Besiedlung Islands spielen und häufig viele übernatürliche Elemente verwenden.

Am bekanntesten dürfte die hier enhaltene Völsunga saga (Saga von den Völsungen) sein, die mehrere alte Heldenlieder verarbeitet und quasi die nordische Version des Nibelungenliedes darstellt. Bedeutend sind auch die Örvar-Odds saga (Saga von Pfeile-Oddr) und die auf historisch Überliefertem basierende Ragnars saga loðbrókar (Saga von Ragnar Lodenhose). Die Hálfs saga ok Hálfsrekka (Saga von König Half und seinen Männern) und die Àns saga bogsveigis (Saga von An Bogsveigir) sind hier erstmals ins Deutsche übersetzt. Weiterhin enthalten ist die eher unbekannte Ásmundar saga kappabana (Saga von Asmund dem Kämpentöter). Im Buch findet sich außerdem eine kurze Einführung ins Thema fornaldarsögur sowie Erläuterungen zu den einzelnen Sagas und ein „Stammbaum“ der Völsungen.    


Ulrike Strerath-Bolz (Hg.): Isländische Vorzeitsagas, Bd. 1, München 1997 (343 Seiten, Diederichs-Verlag)

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