Kari Köster-Lösche: Die Bronzefibel

Kari Köster-Lösche, von Beruf Tierärztin, ist die Autorin zahlreicher historischer Romane. In der gleichen Reihe wie "Die Bronzefibel" sind bereits die "Wikingerkrimis" "Der Thorshammer" und "Das Drachenboot" erschienen.
Das Buch beginnt damit, daß Folke, ein junger Bootsbauer aus der damals bedeutenden Wikingerstadt Haithabu, zusammen mit seiner Frau Tordis, seinem kleinen Sohn und seiner Mutter Aasa in die auf einer Insel im Mälarsee gelegene, schwedische Handelsstadt Birka reist, um Verwandte seiner Gemahlin zu besuchen. Kaum dort angekommen, stößt er auf einem Waldweg in der Dunkelheit mit einem scheinbar flüchtenden Mann zusammen, der dabei einen Lederbeutel mit einer bronzenen Fibel verliert. An dem außergewöhnlich schönen Schmuckstück ist auf der Rückseite eine offensichtlich nicht dazu passende, klobige Nadel angebracht, die sich nur schwer öffnen läßt.
Am nächsten Tag, währenddessen sich die Stadt auf die Hochzeit Asks, eines wichtigen, aber äußerst unbeliebten Vertrauten des Königs, mit Embla, einer reichen Norwegerin, vorbereitet, findet Folke im Wald die Leiche einer Prostituierten, die anscheinend vergiftet wurde. Nur wenig später stirbt ein Mädchen, das sich an der von Ask gefundenen Fibel gestochen hatte, ebenfalls, ohne daß die Heilkünste der weisen Aasa ihr zu helfen vermögen. Folke beginnt, Nachforschungen über die Herkunft der offensichtlich mit einem tödlichen Gift versehenen Fibel anzustellen, in deren Verlauf er es mit seltsamen Händlern aus dem Osten und dem Frankenreich zu tun bekommt und beinahe ermordet wird. Es scheint, daß sogar Embla etwas mit dem mysteriösen Schmuckstück zu tun hat ...
Die Bronzefibel     "Ein "Wikinger-Krimi", noch dazu von einer Tierärztin geschrieben? Das kann doch nichts Gescheites sein ...", meinte ich, als ich dieses Buch erstmals in die Hand nahm. Allerdings hatte ich mich damit gründlich getäuscht. Köster-Lösche versteht es mit ihrem großen Hintergrundwissen und Erzähltalent, den Leser in die Wikingerzeit hineinzuversetzen, so daß ihn der Roman vom Anfang bis zum Ende fesselt. Sie entwirft ein äußerst realistisches und farbiges Bild des Lebens in Birka, das durch die Händler aus allen Teilen der Welt einst zu großer Bedeutung gelangt ist. Bestandteile der Mythologie setzt sie (im Gegensatz zu den Autoren zahlreicher anderer Wikingerromane) mit Bedacht und meist an passender Stelle ein. Diese und einige verwendete mittelalterliche bzw. nordische Begriffe werden in einem kurzen Anhang erklärt. Lediglich die Frage, warum sie für zwei der Charaktere - Ask und Embla - die Namen der (laut dem Eddalied Völuspá) ersten, aus Baumstämmen geschaffenen Menschen wählte, ist mir noch immer rätselhaft.

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Claus-Peter Lieckfeld: Das Buch Haithabu

Claus-Peter Lieckfeld ist freier Autor und schreibt als solcher unter anderem Artikel für diverse Zeitschriften. Sein Werk "Das Buch Haithabu", welches zeitlich im 9. und 10. Jahrhundert n.Chr. angesiedelt ist, beschreibt das Geschehen aus der Perspektive des Mönchs Agrippa. Dabei ergeben sich zwei Erzählebenen, denn einerseits erzählt Agrippa über vergangene Ereignisse, andererseits bringt er auch immer wieder Schilderungen seiner eigenen Gegenwart mit in den Text ein.
Die eigentliche Geschichte ist folgende: Bei einem Wikingerüberfall auf ein in der Nähe Hamburgs gelegenes Dorf, zu dem der Stift gehört, in dem Agrippa lebt, kommen die Eltern des jungen Herward ums Leben. Der Anführer der Wikinger, Rangar, ist der Jarl der berühmten Handelsstadt Haithabu, und als Agrippa zu Missionierungszwecken dorthin aufbricht, schließt sich ihm der auf Rache sinnende Herward an. Allerdings stellen sie schnell fest, daß sich Rangar in Haithabu als ausgesprochen wohltätiger Mensch erweist, der unter anderem ein Waisenhaus finanziert und das Recht eines jeden, auch der Christen, in seiner Stadt schützt. Dennoch wartet Herward auf eine Gelegenheit, ihn zu töten, die sich ihm allerdings erst nach vielen Jahren bietet, als Rangar ein letztes Mal eine große Fahrt unternehmen will, um in den Besitz eines gewaltigen Bernsteinschatzes zu gelangen.     Das Buch Haithabu

Dem Autor gelingt es, ein so lebendiges und glaubwürdiges Bild des Mittelalters zu zeichnen, daß die eigentliche Geschichte dabei eher in den Hintergrund rückt - viel mehr zählen die einfachen Dinge, die damaligen Lebensumstände, die Lieckfeld mit erstaunlicher Leichtigkeit beschreibt. Zum Unterhaltungswert des Buches trägt auch sein hintergründiger Humor bei, der insbesondere die Scheinheiligkeit der damaligen Vertreter der Kirche entlarvt. Auch bemerkt man, wenn man ein wenig hinter den Zeilen liest, immer wieder eine gewisse Sympathie des Erzählers für die angeblich so bösartige Naturverehrung der Heiden und gelegentlich wird auf sarkastische Weise auf spätere Verbrechen der Kirche hingewiesen: "Flammen reinigen, brennen die Sünde aus, heißt es. Mir scheint das ein seltsamer Glaube: Wäre es so, könnte ja noch ein irrgläubiger, eifernder Gottesmann auf den Gedanken verfallen, sündige Menschen zu verbrennen." Lediglich die Schilderungen von Agrippas Wunderheilungen gegen Ende seines Lebens halte ich für etwas unglaubwürdig - aber schließlich waren Übertreibungen bei christlichen Chronisten des Mittelalters alles andere als ungewöhnlich...

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Konrad Hansen: Die Männer vom Meer

Der gebürtige Kieler Konrad Hansen ist Theaterdirektor in Flensburg und betätigt sich nebenher als freier Schriftsteller. Die Handlung seines Romans „Die Männer vom Meer“ ist im nördlichen Europa des 10. Jahrhunderts angesiedelt.
Dem kleinwüchsigen, schwächlichen Björn Hasenscharte gelingt es, aufgrund seiner großen Kunstfertigkeit zu einem angesehenen Kammmacher in der großen Handelsstadt Haithabu zu werden. Um seinen Reichtum zu mehren, schließt er sich einer Schiffsreise ins nördliche Skandinavien an, von der er nach zahlreichen Abenteuern und Strapazen mit enormer Beute heimkehrt. Bald entdeckt er auch sein Talent als Geschichtenerzähler und tritt als solcher in die Dienste Harald Blauzahns, des dänischen Königs. Später schließt er sich dessen Sohn Sven Gabelbart an, als dieser aufbricht, um England zu erobern.

  Diesen Roman kennzeichnet vor allem eines: Die ständige Beschreibung von grausigen Szenen, von Brutalität und Sex. Natürlich ist derartiges bei diesem Thema eigentlich unumgänglich, aber man sollte es nicht gleich übertreiben. Man gewinnt den Eindruck, daß sich der Autor beim Verfassen dieses Werks ständig überlegte „was könnte ich jetzt wieder Ekliges einbaun, um die Leser zu schockieren?“ Hinzu kommt, daß sich Hansen zwar an einigen historischen Daten als Rahmen orientiert, ansonsten aber recht frei mit der Geschichte umgeht. So gab es beispielsweise noch keine Hexenverbrennungen im 10. Jahrhundert, in „Die Männer vom Meer“ werden sie jedoch gleich drei mal erwähnt. Wenn der Autor dann auch noch versucht, magische Elemente in das Geschehen einzubauen, wird es zumeist vollkommen lächerlich. Die Handlung, vor allem, was Motivation und Entwicklung der Hauptfigur betrifft, ist oft nicht nachvollziehbar und wird dadurch unglaubwürdig. Einziger Pluspunkt ist die relativ bildhafte Beschreibung Haithabus, doch ansonsten läßt der Erzählstil Hansens zu wünschen übrig (vor allem der häufige, völlig unpassende Wechsel ins Präsens stört auf Dauer). Auch der äußerst schlecht recherchierte Index mit Begriffen aus Mythologie und Geschichte am Ende des Buches kann da nichts mehr retten.

Von dem „amüsantesten und spannendsten Wikinger-Roman seit Bengtssons ‚Röde Orm‘“, wie auf der Rückseite angegeben, kann hier jedenfalls keine Rede sein – allenfalls von einem billigen Abklatsch!

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