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Der Science-Fiction-Autor Harry Harrison hat in Zusammenarbeit mit Tom Shippey (hier unter dem Pseudonym John Holm), Professor für Mediävistik und vor allem durch seine Veröffentlichungen über Tolkiens Werke bekannt geworden, eine Art historischen Science-Fiction-Roman verfaßt. In der „Hammer und Kreuz“-Trilogie nimmt die Geschichte Europas, ausgehend vom England des 9. Jahrhunderts, einen völlig anderen Verlauf als den tatsächlichen.
Die Hauptperson ist Shef, ein im Schmiedehandwerk erfahrener junger Mann, der als uneheliches Kind seiner Mutter von deren Ehemann wie ein Sklave behandelt wird. Als ein riesiges Wikingerheer, genannt die „Große Armee“ unter Führung der vier Söhne des berüchtigten Kriegers Ragnar Lodbrok in England einfällt, fliegt Shef aus dem heimatlichen Dorf und schließt sich dem Heer an. Dort trifft er auf Gefolgsleute einer Art heidnischer „Sekte“, die sich „der Weg Asgards“ nennen und ständig auf der Suche nach neuem Wissen sind, weshalb sie den technisch offensichtlich äußerst begabten Shef unter ihren Schutz stellen. Bei einem Angriff auf die Stadt York zeigt Shef sein Können, indem er Belagerungsmaschinen baut, die den Wikingern zum Sieg verhelfen. Doch schon wenig später teilt sich die Armee wegen eines internen Streits; einige der Krieger schließen sich den „Weg“-Leuten, zu deren Anführer schon bald Shef wird, an, während die anderen mit den Ragnarssons weiterziehen. Das Heer des „Wegs“ siegt durch Geschick, Taktik und neu erfundene Waffen zunächst über die Armee eines englischen Teilkönigreichs und anschließend in einer Schlacht gegen die Männer Ivar Ragnarssons. Shef verbündet sich mit Alfred, dem König von Wessex, schlägt mit diesem zusammen ein heranrückendes fränkisches Heer zurück und wird somit schon nach kurzer Zeit zum Herrscher über ganz England. Er enteignet die Kirche und sorgt für Religionsfreiheit in seinem Land, wo sich nun immer mehr Menschen dem toleranten "Weg Asgards“ anschließen.
Mit der Zeit weitet sich Shefs Macht und das Einflußgebiet der neuen Religion immeA????ür mehr aus, bis es schließlich zur unvermeidlichen Konfrontation mit dem kirchentreuen Kaiser des wieder erstarkten Frankenreiches kommt, die für den weiteren Verlauf der Geschichte entscheidend sein wird...
Die „Hammer und Kreuz“-Romane zeigen, wie sich die Welt hätte entwickeln können, wenn einige Erfindungen früher gemacht worden wären, wie hier beispielsweise die Hellebarde und der Buchdruck. Besonders interessant wird die Idee in diesem Fall dadurch, daß die Veränderungen durch eine dem germanischen Heidentum entspringende, sich der Kirche entgegenstellende, organisierte Religion hervorgerufen und gefördert werden.
Allerdings hat der „Weg Asgards“ weder mit der ursprünglichen germanischen Naturreligion noch mit heutigem Neuheidentum viel gemeinsam. Er ist bewußt technikfreundlich, betrachtet das Natürliche nicht mehr als heilig (so läßt Shef etwa den Opferbaum beim Tempel in Uppsala fällen) und weist auch das für dogmatische Religionen so typische Denken in Gut-/Böse-Kategorien auf (und bezieht sich dabei vor allem auf solche Bestandteile der Edda-Mythen, die diesen mit hoher Wahrscheinlichkeit erst unter christlichem Einfluß hinzugefügt wurden). Dadurch wird der „Weg“ lediglich zu einer freundlicher gesinnten Gegenreligion zum Unterdrückungssystem der Kirche.
Die Bücher sind aber spannend geschrieben und die historischen Gegebenheiten gut recherchiert, wobei natürlich zwangsläufig einiges aufgrund fehlender Überlieferung Spekulation ist. Allerdings hätten die Autoren besser auf die unpassenden, manchmal eingeschobenen Gesprächsszenen der Asen untereinander verzichten sollen. Auffällig ist, daß relativ häufig grausame Szenen ausführlich beschrieben werden, was zwar für Realitätsnähe sorgt, aber manchen Leser möglicherweise abschrecken wird.
Da sie nicht nur unterhaltsam sind, sondern auch einige interessante Denkanstöße vermitteln, sind die gut 2000 Seiten der Trilogie in jedem Fall lesenswert.

Das erfolgreiche Autorenpaar Wolfgang und Heike Hohlbein lebt in der Nähe von Düsseldorf. In ihrem Buch "Midgard" verarbeiteten sie viele Begriffe und Geschichten der nordgermanischen Mythologie, interpretierten diese jedoch sehr frei. Es wird aus der Perspektive von Lif, einem der beiden Menschen, die (laut Vafthrúdhnismál 45 und Gylfaginning 52) Ragnarök im "Holze Hoddmimirs" (wahrscheinlich ist Yggdrasill gemeint) überleben und zu Neubegründern des Menschengeschlechtes werden. Midgard wird als eine Insel dargestellt, auf der sich auch alles andere, wie Asgard und das Totenreich, befindet.
Lif wird als Baby in einem kleinen Boot an der Nordküste Midgards an Land gespült und wächst bei einer Bauernfamilie auf. Als er vierzehn Jahre alt ist, erfährt er von der alten Skalla, daß Ragnarök, also das Ende der Welt, bevorstehe, und Lif sowie sein Zwilling Lifthrasil, den er nicht kennt, gegeneinander kämpfen und somit die Zukunft der Menschheit entscheiden würden. Daraufhin verläßt Lif den Hof, um nach seinem Bruder zu suchen.
Er begegnet dabei dem Schwarzalbenkönig Eugel, welcher ihn vor den Wölfen Surturs, des Feuerriesen, der den Angriff gegen die Asen führen wird, beschützt. Doch auf dem Weg nach Asgard werden sie gefangen genommen und nach Muspelheim verschleppt. Dort begegnet Lif zum ersten mal seinem Bruder und auch dem Gott Baldur, der ebenfalls in Surturs Kerker eingesperrt ist. Doch als Surtur sie hinrichten lassen will, verhilft ihnen Lifthrasil zur Flucht, da er glaubt, dies würde einen schwerwiegenden Eingriff in die Pläne des Schicksals bedeuten. Auf der Suche nach einem Ausweg durchqueren sie unter anderem das unterirdische Totenreich der Hel und bekämpfen dabei den Drachen Nidhögger, welcher an den Wurzeln Yggdrasills nagt. Nach zahlreichen Strapazen erreichen sie schließlich Asgard, den Wohnort der Götter.
Dort wird Lif auf den Kampf vorbereitet, indem ihm unter anderem der Umgang mit dem Schwert beigebracht wird. Als dann letztendlich Surturs Heer Midgard verwüstet und die Asen angreift, reitet Lif mit in den Kampf. Es beginnt eine gewaltige Schlacht, in der alle bis auf die beiden Brüder fallen. Doch als sich diese am Ende gegenüberstehen, will Lifthrasil Lif nicht töten, da er einsieht, daß sie beide überleben sollen. Nun stellt sich auch heraus, daß Lifthrasil in Wirklichkeit ein Mädchen ist...
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Auf rund 350 Seiten bieten die beiden Autoren eine gewagte Mischung mythologischen Stoffes mit ihren eigenen phantastischen Vorstellungen. Daß dabei die Originaltreue auf der Strecke bleibt, braucht nicht extra erwähnt zu werden. So kommt es beispielsweise vor, daß erst kurz vor Ragnarök Loki selbst (in Wirklichkeit war es der blinde Hödr) Balder tötet. Zudem stützen sich die Hohlbeins offensichtlich hauptsächlich auf die Snorra-Edda, die das stark von der christlichen Höllenvorstellung beeinflußte Bild Hels enthält. Denn ursprünglich lag das Totenreich nicht unter der Erde, sondern im Norden, und war auch kein Strafort. Überhaupt ist die gesamte Geschichte sehr stark durch christliche und neuzeitliche Einflüsse geprägt. Für jeden, der sich ernsthaft mit germanischer Mythologie beschäftigt, ist dieses Werk ein grauenhafter Schund, aber auch auf diesem Gebiet nicht so bewanderten Lesern dürfte es aufgrund des langweiligen Erzählstils nicht unbedingt zusagen. Man kann Geld und Zeit jedenfalls wesentlich sinnvoller investieren als in dieses Buch.
